Wege zu Cranach: Eine Entdeckungsreise durch Deutschland

Lucas Cranach der Ältere zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern der Renaissance. Doch er war nicht nur Künstler, sondern auch erfolgreicher Unternehmer. Er betrieb unter anderem eine Apotheke und eine Druckerei und war mehrfachBürgermeister von Wittenberg. Noch heute erinnern zahlreiche Kunstwerke, historische Gebäude und andere Zeugnisse an sein Leben und Schaffen.
Die Wege zu Cranach verbinden insgesamt 14 Städte, die eng mit dem Leben und Schaffen von Lucas Cranach und seiner Familie verbunden sind. Historische Gebäude, bedeutende Kunstwerke und interessante Ausstellungen geben Einblicke in die Geschichte des Künstlers und seiner Zeit.
Wir haben uns auf den Weg gemacht, um einige dieser Orte kennenzulernen. Unsere Entdeckungsreise beginnt in der Lutherstadt Wittenberg und in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt. Beide Städte haben eine enge Verbindung zu Cranach, bieten darüber hinaus aber auch zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten.
Das findest du in diesem Artikel
Lutherstadt Wittenberg
Wittenberg ist vor allem als Wirkungsstätte von Martin Luther und als Ausgangspunkt der Reformation bekannt und trägt daher auch den Beinamen Lutherstadt. Doch wusstest du, dass auch Lucas Cranach der Ältere eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte spielte? Im Jahr 1505 kam er als Hofmaler des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen nach Wittenberg und entwickelte sich hier zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Zeit.
Cranach und Luther verband eine enge Freundschaft. Der Maler schuf zahlreiche Porträts des Reformators und trug mit seinen Bildern und Druckgrafiken zur Verbreitung der reformatorischen Ideen bei. Auch ihre Familien standen sich nahe. So war Martin Luther beispielsweise Taufpate von Cranachs Tochter Anna.
Wie eng die Geschichte Wittenbergs mit Luther und Cranach verbunden ist, zeigt sich an vielen Orten in der historischen Altstadt. Viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt und lassen sich gut bei einem Stadtspaziergang erkunden.
Cranach in Wittenberg: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Zu den wichtigsten Stationen gehören die historischen Cranach-Höfe, in denen der Künstler einst lebte und arbeitete. Aber auch Ausstellungen und Kunstwerke in den Kirchen der Stadt geben interessante Einblicke in sein Leben und Schaffen.
Die Cranach-Höfe
Lucas Cranach der Ältere war in Wittenberg nicht nur als Künstler tätig, sondern auch als erfolgreicher Unternehmer. Er besaß mehrere Grundstücke in der Stadt, auf denen sich seine Werkstätten und verschiedene Geschäftsbetriebe befanden. Die heute als Cranach-Höfe bekannten historischen Gebäude und Innenhöfe erinnern an seine vielseitigen Tätigkeiten.
Zwei der bekanntesten Cranach-Höfe befinden sich am Markt 4 und in der Schlossstraße 1. Heute werden die historischen Gebäude unter anderem für Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen und kreative Workshops genutzt.
Im Cranach-Hof in der Schlossstraße kannst du außerdem eine historische Druckerstube besichtigen und erfahren, wie Bücher und andere Druckerzeugnisse zur Zeit der Reformation hergestellt wurden.
- Schlossstraße 1, 06886 Wittenberg
- Markt 4, 06886 Wittenberg
Unser Tipp: Workshop „Farbenküche“
Wie stellte Lucas Cranach eigentlich seine Farben her? Beim Workshop Farbenküche kannst du genau das herausfinden und selbst ausprobieren, wie aus natürlichen Materialien verschiedene Malfarben entstehen. Dabei erfährst du, welche Pigmente und Bindemittel die Künstler der Renaissance verwendeten und wie aufwendig die Herstellung der Farben damals war.
Wir hatten großen Spaß dabei, die verschiedenen Farben selbst auszuprobieren. Ganz nebenbei ist dabei auch ein kleines persönliches Andenken entstanden, das wir mit nach Hause nehmen konnten.
Hier findest du alle weiteren Informationen zum Workshop Farbenküche.
Das Cranach-Haus und die Ausstellung "Cranachs Welt"
Dass das Cranach-Haus heute wieder in seinem historischen Glanz zu sehen ist, war lange Zeit alles andere als selbstverständlich. Während der DDR-Zeit verfiel das Gebäude zunehmend und befand sich schließlich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Erst nach der Wiedervereinigung wurde es aufwendig restauriert.
Heute beherbergt das historische Haus am Wittenberger Markt die Ausstellung Cranachs Welt, die sich dem Leben und Schaffen der berühmten Malerfamilie widmet. Hier erfährst du mehr über die Gemälde und Druckgrafiken von Lucas Cranach dem Älteren und seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren, der 1515 in Wittenberg geboren wurde.
Die Ausstellung zeigt unter anderem, wie die Künstler in ihrer Werkstatt arbeiteten und welche Techniken sie verwendeten. Zu sehen sind außerdem historische Druckwerke und eine Druckerpresse, die veranschaulicht, wie Bücher zur Zeit der Reformation hergestellt wurden.
Bei der Restaurierung wurden auch historische Wandmalereien aus der Cranach-Werkstatt wiederentdeckt, die heute zu den interessanten Details des Gebäudes gehören.
- Markt 5, 06886 Wittenberg
Stadtkirche St. Marien
Die Stadtkirche St. Marien gilt als Mutterkirche der Reformation und ist eng mit Martin Luther verbunden. Hier predigte der Reformator über viele Jahre und setzte wichtige Veränderungen im Gottesdienst durch. Seit 1996 gehört die Kirche zum UNESCO-Welterbe.
Im Inneren erwarten dich zahlreiche Kunstwerke der Cranach-Familie. Das bekannteste ist der sogenannte Reformationsaltar, den Lucas Cranach der Ältere gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Werkstatt schuf. Der 1547 vollendete Flügelaltar zeigt unter anderem das letzte Abendmahl, die Taufe und die Beichte. Interessant ist, dass auf den Gemälden auch bekannte Persönlichkeiten der Reformationszeit dargestellt sind, darunter Martin Luther, Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen.
Neben dem großen Altar sind an den Kirchenwänden weitere Gemälde aus der Cranach-Werkstatt zu sehen. Dazu gehört beispielsweise „Der Weinberg des Herrn“ von Lucas Cranach dem Jüngeren, der die reformatorische Lehre in einer bildlichen Darstellung vermittelt.
- Kirchplatz 20, 06886 Wittenberg
Weitere Sehenswürdigkeiten in Wittenberg
Wittenberg hat natürlich noch mehr zu bieten als die Orte, die unmittelbar mit Cranach verbunden sind. Viele Sehenswürdigkeiten erzählen von der Reformation und der langen Geschichte der Stadt.
Schlosskirche Wittenberg
Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine berühmten 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen haben. Ob sich das tatsächlich so zugetragen hat, ist historisch umstritten. Fest steht aber, dass die Schlosskirche zu den wichtigsten Schauplätzen der Reformation gehört.
Die ursprüngliche Holztür existiert heute nicht mehr. An ihrer Stelle befindet sich eine Bronzetür, auf der die 95 Thesen verewigt sind. Im Inneren der Kirche liegen außerdem die Gräber von Martin Luther und Philipp Melanchthon.
Auffällig ist auch der 88 Meter hohe Kirchturm mit seinem Mosaikband unterhalb der Turmhaube. Darauf sind in meterhohen Buchstaben die Worte „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“ aus einem bekannten Kirchenlied Martin Luthers zu lesen.
Seit 1996 gehört die Schlosskirche gemeinsam mit weiteren Luthergedenkstätten zum UNESCO-Welterbe.
- Schloßpl. 1, 06886 Wittenberg
Marktplatz und historisches Rathaus
Der Marktplatz bildet das historische Zentrum von Wittenberg und ist von zahlreichen Bürgerhäusern aus unterschiedlichen Jahrhunderten umgeben. Besonders sehenswert ist das Alte Rathaus mit seiner Renaissancefassade aus dem 16. Jahrhundert.
Direkt vor dem Rathaus stehen die Denkmäler von Martin Luther und Philipp Melanchthon, die an die beiden bedeutenden Reformatoren erinnern. Rund um den Marktplatz findest du außerdem kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants.
Interessant ist auch der historische Marktbrunnen, der an die jahrhundertealte Wasserversorgung der Stadt erinnert. Bereits im 16. Jahrhundert wurde in Wittenberg das sogenannte Röhrwasser eingeführt. Dabei gelangte frisches Quellwasser über unterirdische Leitungen aus ausgehöhlten Baumstämmen in die Stadt. Einige dieser historischen Brunnen kannst du noch heute entdecken, beispielsweise am Marktplatz, im Cranach-Hof oder am Holzmarkt.
- Markt 26, 06886 Wittenberg
Lutherhaus und Augusteum
Das Lutherhaus gehört zu den bedeutendsten historischen Gebäuden in Wittenberg und zählt zum UNESCO-Welterbe. Ursprünglich als Augustinerkloster erbaut, lebte und arbeitete Martin Luther hier über 35 Jahre lang, zunächst als Mönch und später mit seiner Familie.
Eine wichtige Rolle spielte dabei seine Frau Katharina von Bora, die den großen Haushalt und die dazugehörige Wirtschaft organisierte. Sie kümmerte sich nicht nur um die Versorgung der Familie und zahlreicher Gäste, sondern betrieb unter anderem auch eine eigene Brauerei. Heute befindet sich im Lutherhaus ein Museum, das Einblicke in das Leben der Familie und die Geschichte der Reformation gibt.
Direkt neben dem Lutherhaus steht das Augusteum, das im 16. Jahrhundert als Erweiterungsbau der Universität Wittenberg errichtet wurde. Heute wird das historische Gebäude unter anderem für Ausstellungen genutzt und gehört zum Museumskomplex der LutherMuseen.
- Collegienstraße 54, 06886 Wittenberg
Leucorea: Historische Universität Wittenberg
Die Geschichte Wittenbergs als Universitätsstadt reicht bis ins Jahr 1502 zurück. Damals gründete Kurfürst Friedrich der Weise die Universität Leucorea, die sich im 16. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum der Reformation entwickelte. Zu ihren bekanntesten Professoren gehörten Martin Luther und Philipp Melanchthon, die hier lehrten und die religiösen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit entscheidend mitprägten.
Heute erinnert das historische Universitätsgebäude in der Collegienstraße an diese Zeit. Im Jahr 1817 wurde die Universität Wittenberg mit der Universität Halle vereinigt. Inzwischen hat die Stiftung Leucorea ihren Sitz in dem Gebäude und nutzt es unter anderem für wissenschaftliche Veranstaltungen und Tagungen.
Ein Blick in den frei zugänglichen Innenhof lohnt sich ebenfalls. Hier befindet sich ein Brunnen, dessen Gestaltung den damaligen Aufbau des Studiums symbolisiert. Die drei großen Säulen stehen für die Fachrichtungen Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin. An den Wänden erinnern außerdem die Namen bekannter Persönlichkeiten an die Geschichte der Universität.
- Wallstraße, 06886 Wittenberg, Deutschland
Unser Tipp: Wittenberg bei einer Stadtführung entdecken
Um noch mehr über die Geschichte Wittenbergs zu erfahren, können wir dir eine Stadtführung empfehlen. Wir waren bei der Führung Unterwegs mit dem Boten Rudolf dabei, bei der uns ein historisch gekleideter Stadtführer durch die Altstadt begleitet hat. Dabei gab es viele spannende und unterhaltsame Geschichten über die Stadt und natürlich auch über Martin Luther und Lucas Cranach.
In Wittenberg werden zahlreiche weitere Stadtführungen zu ganz unterschiedlichen Themen angeboten. Eine Übersicht findest du hier.
Übernachtungstipp: Cranach-Herberge
Mitten in der historischen Altstadt von Wittenberg kannst du sogar in einem der ehemaligen Cranach-Höfe übernachten. Die Cranach-Herberge befindet sich in einem der historischen Gebäude und bietet individuell gestaltete Zimmer, die den Charme des alten Hauses bewahren.
Auch wir haben während unseres Aufenthalts in Wittenberg hier übernachtet. Unser Zimmer war schön geräumig und gemütlich eingerichtet. Auch das Frühstück hat uns gut geschmeckt. Ein weiterer Vorteil ist die zentrale Lage, denn viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten erreichst du von hier aus bequem zu Fuß.
- Schlossstraße 1, 06886 Wittenberg, Deutschland
Kulinarischer Tipp: Brauhaus Wittenberg
Mitten in der historischen Altstadt befindet sich das Brauhaus Wittenberg, das in einem historischen Gebäudeensemble untergebracht ist. Hier werden eigene Biere gebraut und verschiedene regionale sowie traditionelle Gerichte serviert. Die urigen Gasträume und der gemütliche Innenhof laden dazu ein, nach einem Stadtspaziergang einzukehren.
Ein Besuch im Brauhaus passt auch gut zu unserer Entdeckungsreise auf den Spuren Cranachs. Schließlich spielte Bier bereits zu Zeiten von Martin Luther und Lucas Cranach eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben. Auch die beiden befreundeten Männer tauschten sich regelmäßig über die Ereignisse ihrer Zeit aus. Da kann man sich gut vorstellen, dass so manches Gespräch bei einem Krug Bier stattfand.
- Markt 6, 06886 Wittenberg, Deutschland
Dessau-Roßlau
Dessau-Roßlau ist vor allem für seine Bauhaus-Architektur bekannt. Zwischen 1925 und 1932 hatte die berühmte Kunst- und Gestaltungsschule ihren Sitz in Dessau. Noch heute prägen die Gebäude von Walter Gropius und anderen Bauhausarchitekten das Stadtbild. Doch die Geschichte der Stadt reicht viel weiter zurück.
Auch die Werke der Malerfamilie Cranach spielen in Dessaus Kunst- und Reformationsgeschichte eine wichtige Rolle. In der Stadt befinden sich mehrere bedeutende Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, seinem Sohn und ihrer Werkstatt, die einen Einblick in die Kunst der Renaissance geben. Hinzu kommen historische Kirchen, wertvolle Dokumente aus der Reformationszeit und weitläufige Parkanlagen.
Cranach in Dessau-Roßlau: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Zwei wichtige Stationen auf den Wegen zu Cranach sind die Anhaltische Gemäldegalerie und die Johanniskirche. Aber auch im Stadtarchiv und im Museum für Stadtgeschichte gibt es interessante Zeugnisse aus der Zeit der Reformation.
Anhaltische Gemäldegalerie im Schloss Georgium
Die Anhaltische Gemäldegalerie gehört zu den bedeutendsten Kunstmuseen Sachsen-Anhalts und befindet sich im klassizistischen Schloss Georgium. Ihre Sammlung umfasst zahlreiche Werke alter Meister, darunter auch Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren und seiner Werkstatt.
Zu den bekanntesten Werken gehört das sogenannte Marienaltarretabel, auch als „Dessauer Fürstenaltar“ bekannt, das Lucas Cranach der Ältere um 1510 schuf. Der dreiflügelige Altar zeigt in der Mitte Maria mit dem Jesuskind und den Heiligen Katharina und Barbara. Auf den Seitenflügeln sind Kurfürst Friedrich der Weise und sein Bruder Johann der Beständige als Stifter dargestellt. Interessant ist, dass der Altar vermutlich ursprünglich für die Schlosskirche in Wittenberg geschaffen wurde.
Wir durften außerdem einen Blick hinter die Kulissen der Gemäldegalerie werfen und das normalerweise nicht öffentlich zugängliche Depot besuchen. Dort werden zahlreiche weitere Kunstwerke aufbewahrt, darunter auch Gemälde aus der Cranach-Werkstatt, die nicht dauerhaft in der Ausstellung zu sehen sind. Unter anderem wurde uns das Porträt eines unbekannten jungen Mannes gezeigt.
- Puschkinallee 100, 06846 Dessau-Roßlau
Johanniskirche
In der Johanniskirche in der Dessauer Innenstadt befinden sich drei bedeutende Gemälde der Cranach-Familie. Eines davon, die „Kreuzigung“ aus dem Jahr 1523, stammt von Lucas Cranach dem Älteren beziehungsweise seiner Werkstatt. Die beiden anderen Werke, „Jesus am Ölberg“ von 1561 und „Das Dessauer Abendmahl“ von 1565, schuf sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere.
Vor allem das Abendmahl lohnt einen genaueren Blick. Denn hier sind nicht nur die biblischen Figuren zu sehen, sondern auch bekannte Persönlichkeiten der Reformationszeit wie Martin Luther und Philipp Melanchthon. Sogar Lucas Cranach der Jüngere soll sich selbst als Mundschenk in dem Gemälde verewigt haben.
Ursprünglich hingen die drei Gemälde in der Dessauer Marienkirche, die im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurde. Glücklicherweise waren die Kunstwerke zuvor ausgelagert worden und überstanden so die Zerstörung. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten fanden sie 1992 ihren neuen Platz in der Johanniskirche.
Johannisstraße 8, 06844 Dessau-Roßlau
Stadtarchiv Dessau-Roßlau
Im Stadtarchiv Dessau-Roßlau wird ein echter historischer Schatz aufbewahrt: drei wertvolle Lutherbibeln aus der Reformationszeit. Darunter befindet sich auch eine aufwendig gestaltete Prachtbibel aus dem Jahr 1541, die sogar eine handschriftliche Eintragung von Martin Luther enthält.
Die Illustrationen der Prachtbibel entstanden mithilfe von Holzschnitten aus der Cranach-Werkstatt. Sie zeigen, wie eng Buchdruck und bildende Kunst zur Zeit der Reformation miteinander verbunden waren.
Die wertvollen Originale werden unter besonderen Bedingungen aufbewahrt und sind normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Wir hatten während unserer Reise die seltene Gelegenheit, die drei Bibeln aus nächster Nähe zu betrachten. Besonders beeindruckt hat uns, wie kräftig und leuchtend die Farben der Illustrationen selbst nach fast 500 Jahren noch sind.
Mehr über die Cranach-Prachtbibel von 1541 und ihre Geschichte erfährst du auf der Website der Kulturstiftung der Länder.
Johannbau des Dessauer Residenzschlosses
Der Johannbau ist der letzte erhaltene Teil des ehemaligen Dessauer Residenzschlosses und gehört zu den bedeutendsten Renaissancebauwerken der Stadt. Er entstand zwischen 1528 und 1533 unter Fürst Johann IV. von Anhalt und seinen Brüdern Georg III. und Joachim.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Residenzschloss weitgehend zerstört. Auch der Johannbau wurde schwer beschädigt, konnte aber später aufwendig restauriert werden. Heute beherbergt er das Museum für Stadtgeschichte, in dem du mehr über die Entwicklung Dessaus und die Geschichte des anhaltischen Fürstenhauses erfahren kannst.
Bei unserem Museumsbesuch haben wir auch einige historische Gemälde gesehen, die möglicherweise aus der Cranach-Werkstatt stammen. Ihre genaue Zuschreibung ist allerdings nicht abschließend geklärt. Gerade das fanden wir interessant, denn es zeigt, wie schwierig es manchmal ist, Kunstwerke aus der Renaissance eindeutig einem Künstler oder seiner Werkstatt zuzuordnen.
- Schloßpl., 06844 Dessau-Roßlau
Weitere Sehenswürdigkeiten in Dessau-Roßlau
Dessau-Roßlau hat neben den Kunstwerken von Lucas Cranach auch für Architektur- und Kulturinteressierte einiges zu bieten. Besonders bekannt ist die Stadt für das Bauhaus, das die moderne Architektur und Gestaltung weltweit geprägt hat. Noch heute lassen sich zahlreiche Gebäude und Ausstellungen aus dieser Zeit entdecken.
Schlosspark Georgium
Rund um das Schloss Georgium erstreckt sich der Georgengarten, eine weitläufige Parkanlage im Stil eines englischen Landschaftsgartens. Er gehört zum UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Zwischen alten Bäumen, großzügigen Wiesen und geschwungenen Wegen findest du historische Gartenbauwerke, Skulpturen und Denkmäler aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Da sich die Anhaltische Gemäldegalerie direkt im Schloss Georgium befindet, lässt sich ein Museumsbesuch gut mit einem Spaziergang durch den Park verbinden.
- Puschkinallee 100, 06846 Dessau-Roßlau
Bauhausgebäude Dessau
Das Bauhausgebäude gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen von Dessau und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele moderner Architektur. Entworfen wurde es von Walter Gropius und 1926 als neuer Sitz der berühmten Kunst- und Gestaltungsschule eröffnet.
Ein echter Blickfang ist die große Glasfassade des Werkstattflügels, die sich über mehrere Stockwerke erstreckt und damals als architektonische Innovation galt. Im Inneren befinden sich unter anderem ehemalige Werkstätten, Unterrichtsräume und eine Aula. Seit 1996 gehört das Bauhausgebäude zum UNESCO-Welterbe.
Heute kannst du das historische Gebäude im Rahmen einer Besichtigung oder Führung erkunden und mehr über die Geschichte und die Ideen des Bauhauses erfahren.
- Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau
Bauhaus Museum Dessau
Mitten in der Dessauer Innenstadt befindet sich das Bauhaus Museum, das 2019 eröffnet wurde. Schon von außen fällt der moderne Museumsbau mit seiner gläsernen Architektur auf.
Im Inneren erwartet dich eine umfangreiche Sammlung mit Möbeln, Fotografien, Textilien, Grafiken und zahlreichen Alltagsgegenständen aus der Bauhauszeit. Die Ausstellung zeigt, wie die Ideen der berühmten Gestaltungsschule das alltägliche Leben beeinflussten und neue Ansätze für die Gestaltung von Möbeln und Gebrauchsgegenständen hervorbrachten.
Denn am Bauhaus ging es längst nicht nur um Architektur, sondern auch um Möbel, Alltagsgegenstände und das Zusammenspiel von Kunst, Handwerk und Design.
- Mies-van-der-Rohe-Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau
Meisterhäuser Dessau
Nur wenige Gehminuten vom Bauhausgebäude entfernt befinden sich die berühmten Meisterhäuser. Sie wurden ebenfalls von Walter Gropius entworfen und 1926 fertiggestellt. Ursprünglich dienten sie als Wohn- und Arbeitsorte für die Meister des Bauhauses.
Zu den bekanntesten Bewohnern gehörten die Künstler Wassily Kandinsky, Paul Klee und Lyonel Feininger. Die Häuser zeichnen sich durch ihre klaren Formen, großen Fensterflächen und eine funktionale Raumaufteilung aus.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der Meisterhaussiedlung zerstört. Die verlorenen Gebäude wurden später in einer modernen, bewusst reduzierten Form neu interpretiert. Heute gehören die Meisterhäuser zum UNESCO-Welterbe und können teilweise auch von innen besichtigt werden.
- Ebertallee 59, 06846 Dessau-Roßlau
Marienkirche Dessau
Die Marienkirche gehört zu den bedeutendsten historischen Kirchengebäuden in Dessau. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Über Jahrhunderte diente sie als Stadt- und Schlosskirche.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer zerstört und später wiederaufgebaut. Heute wird sie nicht mehr regelmäßig für Gottesdienste genutzt, sondern dient vor allem als Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen.
Interessant ist auch ihre Verbindung zur Cranach-Familie: Ursprünglich befanden sich hier die drei bedeutenden Gemälde, die heute in der Johanniskirche zu sehen sind. Glücklicherweise waren die Kunstwerke vor der Zerstörung der Marienkirche ausgelagert worden.
Mit ihrem markanten Turm ist die Marienkirche auch von außen eine sehenswerte Station bei einem Rundgang durch die Dessauer Innenstadt.
- Schloßpl. 6, 06844 Dessau-Roßlau
Übernachtungstipp: B&B Hotel Dessau
Während unseres Aufenthalts in Dessau-Roßlau haben wir im B&B Hotel Dessau übernachtet. Das erst 2023 eröffnete Hotel liegt mitten in der Innenstadt, direkt neben dem historischen Johannbau des Dessauer Residenzschlosses und der Marienkirche. Auch das Bauhaus Museum und weitere Sehenswürdigkeiten sind bequem zu Fuß erreichbar.
Uns hat vor allem das moderne Design des Hotels gefallen, das sich auch in der Einrichtung der Zimmer widerspiegelt. Die Zimmer sind gemütlich und funktional eingerichtet und bieten alles, was man für einen Städtetrip benötigt. Auch das abwechslungsreiche Frühstücksbuffet hat uns gut gefallen und war ein schöner Start in den Tag.
- Schloßpl. 4, 06844 Dessau-Roßlau
Kulinarischer Tipp: Teehäuschen Dessau
Das Teehäuschen befindet sich direkt am Stadtpark und nur wenige Schritte vom Bauhaus Museum entfernt. Schon das Gebäude selbst ist einen Blick wert, denn ursprünglich handelte es sich um eine Orangerie aus der Zeit um 1800. Ihre Gestaltung wird dem bekannten Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff zugeschrieben, der auch zahlreiche Bauwerke im Gartenreich Dessau-Wörlitz entwarf.
Heute beherbergt das denkmalgeschützte Gebäude ein Restaurant mit mediterraner Küche. Wie es sich für gute mediterrane Küche gehört, stehen auch zahlreiche leckere vegetarische Gerichte auf der Speisekarte, was uns natürlich immer freut. Im später angebauten Pavillon gibt es außerdem Kaffee, Kuchen und Eis.
Durch die zentrale Lage eignet sich das Teehäuschen gut für eine Mittagspause oder einen Restaurantbesuch nach der Erkundung der Innenstadt. Bei gutem Wetter kannst du auch draußen sitzen.
- Friedrichstraße 15, 06844 Dessau-Roßlau
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach
Weitere Informationen über die „Wege zu Cranach“ findest du auf der offiziellen Website:


